2. Oktober 2021 | Gedankenanstoß

2021 ist ein Jahr der Resignation

Gerade habe ich in einer Radio-Talkshow gehört, wie jemand sagte: „2021 ist ein Jahr der Resignation.“ Ich hatte nur mit halbem Ohr hingehört, aber dieser Satz ließ mich aufhorchen. Es war eine bewusst doppeldeutige Aussage und bezog sich schlussendlich darauf, dass offenbar viele Menschen 2021 beruflich „die Klamotten hingeworfen“ und sich eine andere Beschäftigung gesucht haben, weil sie bei ihrer alten Arbeit keine Hoffnung auf Veränderung mehr sahen. Ich musste allerdings an andere Situationen denken, bei mir selbst und anderen, in denen scheinbar nichts als Resignation übrigblieb – Resignation vor den Umständen – Resignation angesichts der eigenen Hilflosigkeit – Resignation, weil fast jede Hoffnung auf Veränderung sich in Luft aufgelöst hatte.

Doch „resignieren“ war nicht immer ein so negativ verstandenes Wort. Früher bedeutete es eher „von etwas zurücktreten“ – beispielsweise von einem Amt oder einem Vertrag – oder auch „etwas zurückgeben“. Es hatte also mehr den Sinn von „loslassen“.

Ob man eine Sache weiter durchkämpfen oder eher loslassen sollte, das ist immer eine schwierige Entscheidung. Selten weiß man, ob es am Ende das Richtige ist. Eine Art von Loslassen ist aber immer die richtige: das, was uns belastet, loszulassen und in Gottes Hände zu legen. Es wäre platt zu sagen, dass Gott schon die Lösung für alle unsere Probleme hat, denn um Problemlösung geht es manchmal gar nicht. Vielmehr geht es darum, dem Meistertöpfer immer wieder freie Hand zu lassen, das Material unseres Lebens zu gestalten – nach seinen Vorstellungen. (Und ja, manchmal kommt dabei etwas ganz anderes heraus als das, was wir uns vorgestellt hatten.)

In diesem Sinne verstanden, wäre es am Ende sicher etwas Gutes, wenn 2021 tatsächlich ein „Jahr der Resignation“ wäre – ein Jahr, in dem wir immer und immer wieder Gott die Situationen unseres Lebens in die Hände legen und sagen: „Bitte mach etwas daraus!“

DL