17. Mai 2021 | Gedankenanstoß

Mein Friedenstagebuch

Brainstorming über ein wichtiges Thema

Samstag
Muss an Nicole und Frank Zander denken, an die Nicole mit „ein bisschen Frieden“. Und an ihn, den Frank Zander mit seiner Obdachlosenfeier im Estrel Hotel, jährlich zu Weihnachten für 2-3000 Obdachlose und arme Menschen. Da war ich beruflich zweimal dabei, und einmal konnte ich auch der gealterten Nicole in die Augen und auf die Gitarre schauen. Meine Aufgabe war, ein Mediationsteam, quasi ein Friedensteam, zusammen zu stellen, um vor Ort Streit zu schlichten, zu deeskalieren. Da der Bierausschank sehr limitiert war, ist uns das insgesamt auch sehr gut gelungen!

Frieden schaffen mit Waffen – Sorge um die Situation in Afghanistan nach Abzug der ausländischen Truppen – manchmal hilft militärische Präsenz doch, oder?
Mensch, Heute ist der 8. Mai. Tag der Kapitulation – endlich vorbei der Krieg! Warum ist der 8. Mai eigentlich kein Feiertag?

Sonntag
Unzufrieden, unzufrieden mit mir, hätte ich es mal anders gemacht…

Montag
Einarbeitung meiner Nachfolgerin an meinem Arbeitsplatz: Sprechen über Teamkonflikte im Arbeitsbereich, über Kränkungen und Rivalitäten, die scheinbar tief sitzen, über Ansatzpunkte der Begleitung, aber auch über Ratlosigkeit.

Dienstag
Dieser Tag steht irgendwie unter dem Motto: Erst komm ich, dann komm ich. Eine Sitzung: Jemand macht einen Alleingang. Aggressionen fliegen hin und her. Auch mit mir macht das was. Ich und meine Kompetenz werden nicht mitgenommen. Schade. Aber gut, erspart mir auch Zeit und vielleicht bringe ich meine Dinge auch auf anderem Wege ein. Ansonsten halte ich mich zurück, denn ich bin ja eh bald weg.

Impfzentrum Tegel: Leute reihen sich in die Schlange ein. Mitten in die Schlange. Auf Deutsch: Sie drängeln vor. Wir stehen hier alle schon 1 Stunde und die kürzen mal eben ab. Stellen sich zu dem Ehepaar hinter mir. Scheinen sich zu kennen. Irgendwann spreche ich sie an, meine Stimme zittert, ich rege mich auf und die Leute erzählen mir was von „sie hätten sich mit den anderen verabredet“, was ich ganz anders, als nämlich eine zufällige Begegnung, die mal eben ausgenutzt wurde, wahrgenommen habe. Und selbst eine Verabredung ist Vordrängeln! Ich drücke aus, dass mich das ärgert, und ich das dem nächsten Ordner hier auch sagen werde. Als dann, nach einer weiteren Stunde Vorwärtsbewegen in der Schlange, der Einlass ins Gebäude naht, haben sich mehrere andere Wartende zwischen mir und die Vordrängler gesellt. Ich glaube, die wurden aus taktischen Gründen vorgelassen… Die Vordrängler sind zwar nicht ans Ende der Schlange marschiert, aber ich hatte den Mut gehabt, sie anzusprechen.

Raketen in Israel wie seit 20 Jahren nicht mehr

Meine Kinder essen mir den Fisch vom Teller – unerhört!

Hesekiel 39: Der Heilige Geist soll ausgegossen werden. Wird alles gut, wenn der Heilige Geist kommt? Keine Sünde, kein Gericht mehr? Hm, wohl nicht, oder?

Mittwoch
Hunderte von Raketen auf Israel und gezielte Schläge zurück.

Arztbesuch: Bluthochdruck – so ein Schei… Da ist irgendwie Alarm in mir.

Donnerstag
Streit am Frühstückstisch. Um Handynutzung, Aufmerksamkeit, Achtung, Regeln und Respekt. Mit Grenzüberschreitungen, aus-ein-ander-setzen, wieder zusammensetzen, sprechen, erläutern, verstehen, achten, entschuldigen und den Vorsatz, verändertes Verhalten einzuüben. Der Stein des Anstoßes war übrigens ich bzw. mein Verhalten… Nicht meine Kinder!

Freitag
Tagesspiegel titelt (im Blick auf Israel und die Palästinenser): Hass ohne Grenzen.

Soweit mein Friedenstagebuch der letzten sieben Tage. Im Rückblick würde ich sagen: tendenziell eher ein Konflikt- und Kriegstagebuch….

HH