31. Dezember 2022 | Gedankenanstoß

Was soll denn jetzt noch kommen?

Versuch eines Ausblicks auf 2023

Ist die Frage ernst gemeint? Wer will denn heute schon über das nächste Jahr nachdenken? Das ist doch in den letzten Jahren gründlich schief gegangen: 2019 war alles noch so wie immer. Gute Vorsätze für 2020 wurden gefasst, der Urlaub geplant, die nächste Feier schon mal überlegt.

Anfang 2020 hat Corona alles durcheinandergewirbelt. Im Frühsommer 2020 war vermutlich auch dem Letzten klar, dass das Jahr anders verlaufen würde, als alle Jahre zuvor. Optimisten sagten damals: 2021 wird alles besser. Da haben wir Corona im Griff. Jetzt, 2022, arbeiten wir noch an dem Griff. Ohne Frage ist es besser geworden und man hat gelernt, mit dem Virus umzugehen. Aber vorbei ist es nicht.

Und dabei blieb es ja nicht. Der Krieg in der Ukraine, die Klimaveränderungen und in der Folge all dessen auch die wirtschaftlichen Umbrüche und Verwerfungen, haben bei uns allen Spuren hinterlassen. Sorgen, Befürchtungen und mitunter auch Ängste nehmen immer mehr Raum ein. Wie soll es weitergehen? Wo soll das noch hinführen?

Oder ist alles nur ein Alptraum und wir wachen im nächsten Jahr daraus auf und denken: Was für ein Glück, dass der Spuk vorbei ist. Oder dreht sich die Eskalationsspirale weiter und die Gürtel müssen noch enger geschnallt werden.

Die Verunsicherung ist groß und manchmal mit den Händen zu greifen. Wie damit umgehen? Hier ein paar mögliche Antworten:

Möglichst nichts tun und getreu dem Motto handeln: Es kommt, wie es kommen muss. Man kann alles nehmen, wie es kommt und das Beste daraus machen. Vielleicht noch mit dem Satz ergänzen: Wir stehen ohnehin alle in Gottes Hand. Kann man nichts machen, nur vertrauen, er macht es schon gut.

Oder aber nach dem Satz handeln: von nix kommt nix. Also sich engagieren, gesellschaftlich beteiligen und dafür eintreten, dass sich was ändert. Beim Klima, bei der Umwelt, im Miteinander in der Gesellschaft und überhaupt. Nur wenn sich viele beteiligen und engagieren, gibt es überhaupt die Chance auf eine Wende und eine Zukunft.

Oder wer das laute Eintreten nicht so mag, der nimmt den Satz: Viele kleine Leute an vielen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern. (Reinhard Horn). Im Rahmen der eigenen Gegebenheiten auf mehr Verträglichkeit zu Umwelt und Natur achten, dass Miteinander in Familie, Freundeskreis und eigenem Umfeld stärken; also die kleinen Schritte im eigenen Bereich gehen. Wenn das viele machen, wird es auch besser.

Ob das für 2023 reicht und die Welt dadurch ein wenig besser wird? Schaden kann es auf jeden Fall nicht. Und es ist allemal besser, so zu leben, als sich auf Krisen, Katastrophen und Weltuntergang zu fixieren. Das liegt den Deutschen zwar im Blut, muss aber nicht extra noch kultiviert werden.

Jesus sagt: „Ich bin.“ Mir sind in den letzten Wochen und Monaten die „Ich-bin“-Worte immer wichtiger geworden. Jesus sagt: „Ich bin.“ Wenn ich auf das halb leere Glas schaue, sagt er: Ich bin. Wenn mich der Krieg und das Säbelrasseln in Sorgen treiben, sagt er: Ich bin. Wenn mich die Katastrophenaussagen der Klimaschützer umtreiben, sagt er dazu sein „Ich bin“. Wenn mich die Verunsicherung umtreibt, wie soll die Zukunft werden, sagt er: Ich bin.

Diese zwei Worte sagt er mir jeden Tag: Ich bin da. Am Morgen, am Mittag, am Abend und übermorgen auch wieder. Ich bin der gute Hirte. Ich bin das Brot des Lebens. Ich bin Anfang und Ende. Es gibt so viele Zusagen und Gedanken, die Jesus uns mit auf den Weg gibt. Sie lassen mich all die Fragen und Dinge, die an meiner Existenz nagen wollen, in einem anderen Licht sehen.

Ich muss mich nicht von den Krisen und Untergangsstimmungen herunterziehen lassen. Denn ich darf auf dem Grund stehen, den Jesus mit seinem „Ich bin“ setzt und legt.

Vielleicht ist dieser Gedanke ein Anstoß, sich diese Worte von Jesus aus dem Johannesevangelium zu nehmen und nachzudenken: Was macht das mit mir? Was verbindet sich für mich mit diesen Worten? Vielleicht hilft es auch, dies einmal aufzuschreiben und sich jedes einzelne „Ich bin“-Wort vorzunehmen und in Beziehung zu setzen zum Weltgeschehen, den Nachrichten, meiner persönlichen Situation oder zu dem, was mich gerade umtreibt und beschäftigt.

Und was kommt nun 2023? Ich weiß es nicht. Vielleicht wird es besser, vielleicht kommen neue Probleme und Krisen, vielleicht bleibt alles so kritisch wie es jetzt ist. Mir kommen ein paar Texte in den Sinn: Zum Beispiel Manfred Siebald. Er sagt und singt: „Es geht ohne Gott in die Dunkelheit. Aber mit ihm gehen wir ins Licht.“

Oder Gustav Heinemann. Er hat in den 1950er-Jahren gesagt: „Die Herren dieser Welt gehen, aber unser Herr kommt.“

In dieser Welt und auch im Jahr 2023 werden Angst und Sorgen bleiben. Aber mit Jesus sehen wir den Weg und das Licht. Dieser Halt ist das Beste, was Menschen und uns passieren kann. Deshalb: Nur Mut und ihm vertrauen, so können wir auch 2023 in die nächsten Tage und Wochen gehen. Vielleicht braucht diesen Zuspruch ja auch jemand neben mir für 2023. Wer weiß, was Gott mit mir, mit ihm und uns vorhat.
S.R.